STARK IN DER GEMEINSCHAFT – DER ETWAS ANDERE BLICK AUF DAS WINTERFINALE 2024

Seit der Geburtsstunde des Schulsportwettbewerbs vor 55 Jahren ist der Teamgedanke tief in der DNA von „Jugend trainiert“ verankert, schließlich werden Titel ausschließlich an Mannschaften, nicht an Einzelsportler*innen vergeben. Dass Erfolg nur durch die Bündelung der Kräfte erzielt werden kann, zeigt sich beim Bundeswettbewerb der Schulen aber nicht nur auf sportlicher, sondern auch auf organisatorischer Ebene. Aufs Neue zu beobachten war dies beim rundum gelungenen Winterfinale Nesselwang 2024, das vom 25. bis 29. Februar im Allgäu stattgefunden hat. Ein Rückblick.

Von Kai Gemeinder

Zur Erinnerung: Bei der „Jugend trainiert“-Premiere im Jahr 1969 gingen Schüler*innen in den beiden olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Schwimmen an den Start. Ungeachtet der Tatsache, dass es sich hierbei um klassische Individualsportarten handelt, war Jugend trainiert für Olympia von Anfang an als reiner Teamwettbewerb angelegt. Im Laufe der Zeit kamen eine Reihe weiterer Individual- und natürlich auch Mannschaftssportarten hinzu. Mittlerweile werden die begehrten Bundessiege jährlich in 26 Sportarten und 64 Wettkampfklassen verliehen. Das Programm des Winters umfasst Skilanglauf (erstmals 1975), Para Ski nordisch (seit 2013), Ski alpin und Skispringen (beide seit 2014), die ebenso wie Leichtathletik und Schwimmen allesamt als Individualsportarten definiert sind.

Zwar kennt man Staffelwettbewerbe im Langlauf oder Teamentscheidungen im Ski alpin und Skispringen. Dennoch sticht der Schulsportwettbewerb heraus, weil es bei „Jugend trainiert“ nicht ergänzend, sondern ausschließlich Teamwettbewerbe gibt. Einzelleistungen werden bei den Winterfinals lediglich gewürdigt, indem die besten drei Starter*innen jeder Disziplin am Ende des ersten Wettkampftages eine gesonderte Auszeichnung erhalten. Das soll den besonders ambitionierten Talenten einen zusätzlichen Motivationsschub geben.

Gemeinschaft als pädagogische Ausrichtung

Das Entscheidende aber ist: Gewonnen oder verloren wird im Team. Das galt 1969 und gilt noch heute – für die unterste Ebene bei Kreis- oder Stadtentscheiden genauso wie bei den weiteren Qualifikationswettbewerben bis hin zu den drei Bundesfinalveranstaltungen im Winter, Frühjahr und Herbst. Dadurch werden soziale Fähigkeiten wie Teamgeist, Respekt, Toleranz und Fairness gestärkt. Zugleich lernt man, im Verbund mit den Teamkolleg*innen Niederlagen einzustecken und zu verarbeiten. Dass niemand alleine für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich ist und jede*r in der Gemeinschaft aufgefangen wird, erleichtert jungen Menschen, insbesondere solchen mit geringem Selbstbewusstsein, den Zugang zum Sport und kann dabei helfen, eine größere Anzahl an Schüler*innen für die Teilnahme am Schulsportwettbewerb zu begeistern. Dabei erleben sich die Heranwachsenden nicht nur als Teil einer Sportgruppe, auch die Identifikation mit der eigenen Schule wird gestärkt. „Jugend trainiert“ leistet auf vielfältige Weise einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Gemeinschaftlich zu sportlichem Erfolg 

Gleichsam dient Jugend trainiert für Olympia & Paralympics der Talentsichtung und -förderung und bietet jungen Sportler*innen eine Bühne. Beim Winterfinale 2024 durften mehr als 600 Schüler*innen (plus 150 Lehrkräfte und Betreuer*innen) diese Bühne betreten. In acht verschiedenen Wettkampfklassen traten insgesamt 100 Schulmannschaften im Skilanglauf, Para Ski nordisch, Ski alpin und Skispringen an. Während für die einen das olympische Motto „dabei sein ist alles“ im Vordergrund stand, reisten andere mit dem Anspruch nach Nesselwang, im Kampf um die vorderen Plätze ein Wörtchen mitzureden.

Am Ende verteilten sich die Medaillen auf Schulen aus fünf Bundesländern. Am erfolgreichsten schnitt Gastgeber Bayern mit acht Podestplatzierungen ab. Drei erste und fünf zweite Plätze konnten Bayerns Schulen für sich verbuchen, wobei die erfolgreichste das Gertrud-von-le-Fort-Gymnasium Oberstdorf war. Die Sporttalente aus der südlichsten Gemeinde Deutschlands feierten zwei Bundessiege sowie einen Silberrang und waren zudem als einzige Schulgemeinschaft in zwei unterschiedlichen Sportarten, nämlich Ski alpin und Skilanglauf, auf dem Podest vertreten.

Sachsens Schulen gewannen sechs Medaillen, die aus Thüringen vier. Beide Bundesländer standen in Nesselwang je zweimal ganz oben auf dem Treppchen. Den achten Bundessieg sowie einen Silberrang sicherte sich Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem landete eine Schule aus Baden-Württemberg zweimal auf Platz drei. (Hier geht es zu allen Ergebnissen und einer Auflistung der Podestplatzierungen.)

„Wie Olympia, nur für so Kleine“ – Vorbilder werten das Winterfinale zusätzlich auf

Ein Wesensmerkmal der Bundesfinals ist es, dass Athlet*innen unterschiedlicher Sportarten aufeinandertreffen und sich kennenlernen können. „Wie Olympia, nur für so Kleine“ fühlte sich das für Eva Kesper von der Uplandschule Willingen an, wie sie dem „Jugend trainiert“-Medienteam vor der Kamera verriet (zu sehen und hören im Highlight-Video des Winterfinales 2024). Nicht zuletzt die Eröffnungs- und Abschlussfeier sowie die Après Ski-Party des Hauptsponsors Deutsche Bahn dürften dazu beigetragen haben, olympische Atmosphäre unter den Teilnehmer*innen zu erzeugen. Das Rahmenprogramm ist neben den sportlichen Wettbewerben seit jeher wichtiger Bestandteil einer jeden Bundesfinalveranstaltung. Wenn an einem zentralen Ort wie der Alpspitzhalle Nesselwang die Schüler*innen aus allen Teilen Deutschlands Zeit miteinander verbringen, ist das Gemeinschaftsgefühl besonders präsent. Hier findet der Austausch unter den Kindern und Jugendlichen statt, wird zusammen gefeiert, werden Freundschaften geschlossen. Und bisweilen mischen sich auch sportliche Vorbilder unter die Nachwuchsathlet*innen.

Selten zuvor erwiesen bei einem Winterfinale so viele Sportstars den Nachwuchskräften die Ehre wie 2024 in Nesselwang. Vier „Jugend trainiert“-Pat*innen verfolgten die Wettbewerbe und das Rahmenprogramm vor Ort: Der dreimalige Biathlon-Olympiasieger Michi Greis, die Telemark-Weltmeisterin und Olympiateilnehmerin im Skicross Johanna Holzmann, der sechsfache Paralympics-Champion im Tischtennis Jochen Wollmert und Judo-Weltmeister Alexander Wieczerzak.

Ihre „Jugend trainiert“-Premiere als Betreuerin eines Langlaufteams feierte die dreimalige Biathlon-Olympiasiegerin und langjährige ARD-Expertin Kati Wilhelm, die neben den Pat*innen bei der Abschlussveranstaltung in der Alpspitzhalle ins offizielle Programm eingebunden wurde. In ihrer Funktion als DSV-Vizepräsident*innen waren zudem der zweimalige Gesamtweltcup-Sieger im Skilanglauf Tobias Angerer und die Ski alpin-Kombinationsweltmeisterin Miriam Vogt in Nesselwang dabei, ebenso wie die noch aktive Skirennläuferin Andrea Filser. Bei der Eröffnungsfeier überraschten außerdem Anna Schaffelhuber (siebenmalige Paralympics-Siegerin im Monoskibob), Andreas Wellinger (zweifacher Skisprung-Olympiasieger) und Sebastian Holzmann (5. Platz im Slalom bei den letzten Ski alpin Weltmeisterschaften 2023 in Courchevel) den Sportnachwuchs mit sehr persönlichen Videobotschaften.

Natürlich trägt auch die Präsenz, sei sie physisch oder digital, so vieler Sportstars dazu bei, dass sich die Schüler*innen beim Winterfinale einer wertvollen Gemeinschaft zugehörig fühlen.

Gemeinschaft aus organisatorischer Perspektive

Eine solche bildeten beim Winterfinale aber nicht allein die Teilnehmer*innen untereinander. Denn auch auf organisatorischer Ebene ist der Gemeinschaftssinn von zentraler Bedeutung. Die Planung und Durchführung eines Bundesfinales ist das Gemeinschaftswerk von Vielen, gute Zusammenarbeit und hohe Einsatzbereitschaft der unterschiedlichen Akteure Voraussetzung für den Erfolg. Beim Winterfinale 2024 lag die Hauptverantwortung bei der ausrichtenden Marktgemeinde Nesselwang, dem Skiklub Nesselwang und dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. In enger Abstimmung mit dem Deutschen und Bayerischen Skiverband, der Deutschen Behindertensportjugend, Special Olympics Deutschland und der Deutschen Schulsportstiftung als Trägerin des Bundeswettbewerbs der Schulen wurde in monatelanger Arbeit das Winterfinale vorbereitet.

Letztlich ist es aber den kurzfristig getroffenen, klugen Entscheidungen der handelnden Personen sowie der Kooperationsbereitschaft aller Verantwortlichen in Nesselwang, Oberstdorf, Oberjoch und Füssen zu verdanken, dass die Wettbewerbe im (Para) Skilanglauf, Ski alpin und Skispringen reibungslos durchgeführt werden konnten. Die Herausforderung war aufgrund des milden Winters durchaus groß, doch das Allgäu stand beim Winterfinale 2024 als robuste Einheit zusammen. Wirklich stark ist man eben nur in der Gemeinschaft. Das gilt bei Jugend trainiert für Olympia & Paralympics für die Teilnehmer*innen und das Organisationsteam gleichermaßen.